Ludwig Pfeiffer

Weltweit im Einsatz

Im Rahmen Studiums an der Universität Wismar, konnten zwei unserer Praktikanten Auslandserfahrung in Ecuador sammeln. Die beiden haben unser Sanierungsprojekt in Guayaquil acht Monate lang tatkräftig unterstützt.

Über ihre Erfahrungen in Ecuador haben Lisa Schwegmann und Shezad Singh im BDB Landesspiegel 4/2018 berichtet:

Deutsche Ingenieure weltweit im Einsatz

Baustudenten aus Wismar in Ecuador

Ein aktuelles Projekt des Unternehmens Ludwig Pfeiffer Hoch- und Tiefbau GmbH & Co. KG ist die Sanierung des Abwasserschutzgebietes La Chala in Guayaquil, Ecuador. Das Wohnviertel im La-Chala-Becken erstreckt sich entlang des Flusses Guayas. Das Gebiet befindet sich auf Meereshöhe und unterhalb des Grundwasserspiegels, weshalb die gesamten Sanierungsarbeiten den Gezeiten ausgesetzt sind.

Aufgrund der umfangreichen Schäden des Kanalnetzes, kommt es zu großen Infiltrationen. Die Rehabilitation soll für eine deutliche Reduzierung der Infiltrationen sorgen und die Kläranlage in die Lage versetzen, den Abwasserabfluss adäquat zu bewältigen.

Dieses Projekt zählt aktuell zu den größten grabenlosen Sanierungsprojekten weltweit und wird von der Weltbank finanziert. Der Umfang des Projektes besteht darin, 450 km Leitung zu reinigen und eine Kanalinspektion durchzuführen sowie ungefähr 90 km Kanal und ca. 400 Schächte zu sanieren. Die Dimensionen reichen dabei von DN150 bis DN1300.

Für die Sanierung des Kanalnetzes werden drei verschiedene Technologien verwendet:

  • Sliplining
  • GFK-Schlauchliner mit UV-Aushärtung  
  • Berstlining

Der Einsatz verschiedener Technologien und die angesprochene Reichweite der Durchmesser machen dieses Projekt einzigartig und sehr interessant.

Bei der Technologie CIPP wird ein werkseitig konfektionierter und mit UP-Harz getränkter Glasfaserliner in den zu sanierenden Kanal eingezogen, mit Luftdruck aufgestellt und anschließend mittels UV-Licht ausgehärtet. Je nach Dimension der alten Rohrleitungen, wird die UV-Lichterkette entsprechend angepasst. Der Durchmesser und die statisch erforderliche Wandstärke sind ein entscheidendes Merkmal für die Dauer des Aushärtungsprozesses. Aufgrund der bestehenden Gegebenheiten entsteht allein für diese Technik schon eine gewisse Individualität.

Die anderen beiden Verfahren werden bei diesem Bauvorhaben hauptsächlich für kleinere Dimensionen verwendet. Das spezielle Verfahren Kurzrohr-Relining der Firma Renos kommt bei kurzen Haltungen von bis zu 15 m zum Einsatz. Renos Kurzrohrmodule werden aus dem Rohstoff PP (Polypropylen) im Spritzgussverfahren hergestellt. Bevor das Neurohr in das Bestandsrohr eingeführt werden kann, werden diese elektrisch zusammen geschweißt. Die hydraulische Kapazität bleibt trotz der geringen Querschnittsänderung aufgrund der guten Fließeigenschaften des Kunststoffes vorhanden. Durch die schnelle und einfache Installation, ist dieses Verfahren sehr effizient und kostengünstig.

Berstlining kommt in Guayaquil nur dann zum Einsatz, wenn im Bestandsrohr ein Kollaps oder größere Schäden wie zum Beispiel Löcher oder große Risse auftreten und das GFK-Schlauchrelining (CIPP) technologisch nicht anwendbar ist. In dem Fall kann das Altrohr nicht als Grundlage benutzt werden und wird mittels Berstlining zerstört und aufgeweitet. In diesem Prozess werden die Scherben in das umliegende Erdreich verdrängt. Das Neurohr wird zeitgleich durch den dadurch entstandenen Kanal eingezogen.

Aus Sicht von Baustudenten sind die Erfahrungen, die man in einem solchen Projekt sammeln kann enorm. Im Vergleich zu Deutschland gibt es viele andere Probleme, die auftreten und bedacht werden müssen. Auch die sozialen Gegebenheiten in einem Land wie Ecuador differenzieren sich sehr von Deutschland, zum Beispiel werden die Bauarbeiten ständig von Sicherheitspersonal begleitet und es sind immer Leute im Einsatz, die bei Unfällen sofort einsatzbereit sind.

Auch Liefer- und Importprobleme beeinflussen die Arbeiten vor Ort. Die Zeitverschiebung von sieben Stunden spielt eine große Rolle in Bezug auf die Kommunikation mit den deutschen Firmen und Mitarbeitern. Daher sind Gespräche und Telefonate mit deutschen Unternehmen nur morgens bis ca. 10:00 Uhr ecuadorianischer Zeit möglich. Darüber hinaus herrscht ein enger E-Mail Kontakt, um die zeitlichen Probleme möglichst zu reduzieren und den Kontakt dennoch aufrecht zu erhalten.

Insgesamt bietet die Arbeit vor Ort eine sehr große Chance für junge Ingenieure, um Erfahrungen zu sammeln wie beispielsweise die Bandbreite der verschiedenen Technologien und in Bezug auf die unterschiedlichen Problemstellungen verglichen mit Deutschland.

Auszug BDB Landesspiegel 4/2018
Auszug BDB Landesspiegel 4/2018